Josip und Hannes
Als wir vor über zwei Jahren unsere gemeinsame Reise begannen, hätte ich nicht gedacht, wie intensiv, bereichernd und bewegend diese Zeit werden würde. Unser erstes Treffen am Taubenmarkt – jetzt ein Ort mit besonderer Bedeutung für mich – begann holprig, aber menschlich: Ich sprach mehrere Jugendliche an, bis ich Josip fand. Ein Start, der perfekt zu unserer Geschichte passt.
Josip war von Anfang an ein aufgeweckter, neugieriger junger Mann, der sich sofort öffnete. Was uns verband, war sein Bedürfnis nach Aufmerksamkeit und jemandem, der ihm wirklich zuhört – und meine Bereitschaft, mich darauf einzulassen. Im ersten Jahr trafen wir uns alle zwei Wochen, später etwa monatlich. Unsere Treffen waren vielfältig: Billard, Radfahren, Formel 1 schauen oder neue Restaurants ausprobieren. Diese Abwechslung hielt unsere Beziehung lebendig.
Inhaltlich ging es oft um seine Lehre und berufliche Neuorientierung. Ich durfte ihn begleiten, Wege zu erkunden und Entscheidungen zu reflektieren. Besonders prägend waren der Integrationspreis in Oberösterreich und der Besuch der Ausstellung „Bilder von Morgen“, wo ein Plakat über unsere gemeinsame Zeit hing – ein Zeichen, dass unsere Geschichte andere inspiriert. Daraus entstand sogar ein Buchprojekt.
Das größte Highlight war Josips persönliche Entwicklung: von einem Teenager zu einem reflektierten, selbstbewussten Erwachsenen. Sein Wachstum war ein Geschenk. Besonders berührend war das Vertrauen, das er mir schenkte, indem er mich stärker an seinem Leben teilhaben ließ als manche Familienmitglieder.
Ich lernte, auf mein Gefühl zu hören und schätze seine Ehrlichkeit und Direktheit. Heute sehe ich mich etwas als coolen Onkel – er weiß, ich bin da, ohne zu urteilen. Für seine Zukunft wünsche ich ihm einen Beruf, der ihn motiviert und erfüllt. Unsere Reise endet nicht hier: Wir bleiben in Kontakt und unterstützen weiterhin gemeinsam bei Sindbad. Diese Verbindung ist mehr als ein Projekt – sie bleibt.